Die Pentax K-5 ist zweifelsohne eine tolle Kamera im semiprofessionellem Bereich. Es gibt viele Gründe sie zu mögen: z.B. die Kompaktheit, die Haptik, Bedienung und Ergonomie, die High-ISO-Fähigkeiten, den gut funktionierenden eingebauten Bildstabilisator, die geniale JPG-Engine, die bereits ohne den RAW-Umweg prima Bilder erzeugt und mehr. Da ist wirklich vieles auch im Vergleich zu den Canon/Nikon-Platzhirschen einfach genial gemacht.
Aber wo viel Licht ist, gibt es bekanntlich auch etwas Schatten. Viele Nutzer plagen sich mit einem ominösem Frontfocusproblem bei Kunstlicht (FF-Problem) herum. Für die Nicht-Eingeweihten: Die Kamera stellt unter bestimmten Bedingungen permanent auf einen Punkt vor dem eigentlichem Objekt scharf, was regelmäßig unscharfe Bilder zu Folge hat. In diesem Artikel geht es um meine Versuche, diese Bedingungen näher einzugrenzen.
Für Abhilfe sollte die Firmware 1.03 sorgen, auf die wir nun schon über 3 Monate gewartet haben. Nun ist sie da und erste Tests waren sehr positiv: In meinem Testaufbau zur Problemverifizierung klappt der Focus. Prima, also auf in die nächste Indoor-Fotosession (für die man der Empfindlichkeit der K-5 sei Dank den Blitz durchaus eingeklappt lassen kann!!). Die Ergebnisse waren aber ernüchternd: Es gab wieder fotografietechnisch nicht nachvollziehbare unscharfe Bilder. Nicht alle, aber doch nicht nur einige Ausrutscher. Also nochmal den Prüfstand aufbauen und nochmal genauer schauen, was da passiert.
Diesen Beitrag schreibe ich in erster Linie für andere K-5 Besitzer, die mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben. Ich gehe also davon aus, dass die prinzipiellen Sachen bekannt sind. Man kann sich hierzu bei Interesse auch in Forum einlesen: Firmware 1.03 Thread im DSLR-Forum. oder genauer Lumolabs Problemanalyse aus der Version 1.02-Zeit
Testaufbau
Ich verwende folgenden Testaufbau: Auf dem Tisch steht das Pentax-Handbuch. Focusiert wird auf die untere Hälfte, in etwa auf dem Silkypix-Schriftzug. Die Kamera ist auf einem Stativ, ISO200, ausgelöst mit Infrarot-Fernauslöser und 3s Spiegelvorauslösung. Beleuchtet wird sie Szene durch 3 35W Halogenlampen über dem Tisch. Alternativ kann durch einen 100W Baustrahler die Sache etwas aufgehellt werden. Der weiße Zollstock dient der Beurteilung der Focuslage und ist so ausgerichtet, dass die 10cm Marke mit dem Handbuch abschließt. Das Thermometer ist Schmuck und dient nur der besseren Beurteilung des Schärfeeindrucks.
Zum Test sind zwei baugleiche Kameras mit Kitobjektiven (18-55 WR) vorhanden:
| |
Serienummer Kamera |
Seriennummer Objektiv |
| Kamera A |
3969642 |
4089665 |
| Kamera B |
3850456 |
4062576 |
Der Fehler war mit der Firmware 1.02 noch ganz einfach zu erzeugen und offensichtlich. In meinem damaligen Aufbau trat er, wie erwähnt, bei der Firmware 1.03 nicht mehr auf. Deshalb probierte ich systematisch eine ganze Reihe Parameter durch, die ich hier nicht alle darstellen möchte. Exemplarisch greife ich daher die Fotos bei 1,70m Objektabstand und dem Kit-Zoom bei 55mm Brennweite heraus, um das Problem aufzuzeigen. Gegenüber dem alten Aufbau für die Fehlerreproduktion der Firmware 1.02 ist hier lediglich der Abstand 50 cm größer geworden.
Vortest
Um sicher zu gehen, dass nicht das Objektiv oder die Kamera falsch justiert sind, machen wir einen Test bei Tageslicht. Dort gab es noch nie Probleme mit dem Focus.
Tipp: Für Originalgröße bitte aufs Bild klicken. Für 1:1 Originalgröße dann nochmal mit rechter Maustaste drauf klicken und “Bild anzeigen” wählen)
Hier ist auch alles soweit OK.
Der Fehlfocus
Bei 55mm Brennweite lässt ich der Frontfocus schön reproduzieren:
(Kamera A, Kamera B, darunter scharfes Vergleichsfoto im LiveView, jeweils 100% Crop)
Schaltet man den 100W Baustrahler zu, ist der Focusfehler nahezu verschwunden.
Nochmal: Bei unverändertem Aufbau genügt das Zuschalten einer weiteren Lichtquelle, um das Focusverhalten zu verändern.
Der Focusfehler tritt in diesem Testaufbau nicht (mehr) auf, wenn:
- die Brennweite soweit verringert wird, dass das Objektiv von 5.6 auf 4.5 Blendenöffnung öffnet (etwa bei 48mm)
- bei lichtstarken Festbrennweiten (getestet 40mm und 70mm limited)
- bei (selbst recht dusterem) Tageslicht
- unter 1,50 Objektabstand, was aber auch mit der Beleuchtungsstärke zusammenhängen könnte
Hier mal ein Foto, wie scharf die Sache mit einer 70er Festbrennweite (Limited Serie) werden kann:
Schlussfolgerungen
Der Frontfocus-Bug ist offensichtlich auch mit Firmware 1.03 noch nicht Geschichte. Gegenüber der Vorversion hat sich sehr viel getan, er tritt wesentlich seltener auf und lässt sich schwer greifen.
In meinen Augen kann man folgende zaghafte Schlussfolgerungen ziehen:
- Unterhalb einer gewissen Helligkeit arbeitet das AF-Modul fehlerhaft und erzeugt typischerweise einen deutlichen Frontfocus
- Wenn zwei zufällig gewählte Kameras recht übereinstimmende Resultate aufweisen, kann man mit einiger Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass ein prinzipielles Problem vorliegt. Was aber nicht notwendigerweise alle Kameras betreffen muss. Es könnte durchaus verschiedene Chargen geben.
- Die Lichtmenge, die am AF-Modul ankommt, hängt außer vom Umgebungslicht erheblich vom Objektiv ab, speziell dessen Offenblende (bei Zooms oft eine Funktion der Brennweite) und wohl auch etwas von der Linsenkonstruktion
- Die effektiv ausreichende Lichtmenge ist spektralbewertet und subjektiv nahezu unmöglich einzuschätzen. Unter relativ hellem warmweißen Leuchtstoffröhrenlicht hatte ich z.B. ungewöhnlich viel Ausschuss. Trotz des subjektiv hellen Raums.
- Blitzen bringt natürlich nichts, da das Focusieren da schon erfolgt ist. Auch ist es egal, mit welcher Blende man fotografiert, entscheidend ist die beim Focusieren benutzte Offenblende des Objektivs. Aber der LiveView-Modus funktioniert, da hier der Focus anders bestimmt wird.
- Man darf die Werte aus dem Test hier nicht verallgemeinern. Es ist sicher keinesfalls so, dass der Focusfehler nur beim Kitobjektiv und nur bei 55mm Brennweite auftritt. Die Lichtstärke war hier vermutlich zufälligerweise gerade so, dass der Fehler bei F5.6 (=55mm) auftrat und bei F4.5 (<45mm) verschwandt. Bei meinen anderen Indoor-Bildern habe ich sicher nicht alle Fehlfocusbilder mit 55mm geschossen.
Die entscheidende Frage ist immer, ob das Problem eigentlich “Field relevant” ist? Für mich schon, da ich momentan für den bei Innenraumaufnahmen relevanten unteren Brennweitenbereich nur das 18-55er Kitobjektiv besitze und durch den Focusfehler auch schon reichlich Ausschuss hatte. Auch z.B. beim schönen Sigma 10-20 4-5.6 wird die Offenblende vermutlich oft nicht ausreichen.
Man könnte in kritischen Situationen auf LiveView umsteigen, aber wann es kritisch wird, ist subjektiv kaum zu entscheiden. Die Focusbeurteilung über das Sucherbild ist jedenfalls selten ausreichend.
Für Nutzer lichtstarker Objektive ist das Problem dagegen seit Version 1.03 vermutlich kaum relevant.
Auch wenn der FF-Fehler seit Firmware 1.03 weit seltener auftritt und durch teure Objektive oder unbequemen Liveview umgangen werden kann, ist das Verhalten der Kamera doch einem 1200,- EUR Body nicht würdig. Ich hoffe deshalb inständig, dass Pentax an diesem Problem weiterarbeitet und ggf. betroffene Kameras repariert.
Und um nochmal den Rahmen zum Eingangsabsatz zu schließen, die K-5 ist eigentlich eine ganz tolle Kamera, die einem manchmal positiv staunen lässt und viel Spass macht.
Ich danke meinen Freund und Kollegen Victor Mandryka für die Bereitstellung der zweiten Kamera, der schönen Limited-Objektive und die Mitarbeit am Test.
Nachtrag 20. Juni 2011
Wie es weiter geht, steht im Artikel vom Juni.
Die Bilder hier sind leider durch mehrmaliges Speichern ganz schön von JPG-Artefakten zermatscht. Das erschwert in der 100%-Ansicht etwas die Analyse und lässt das Objektiv etwas ungerecht schlecht erscheinen (auch wenn das Kit bei Offenblende nicht der Brüller ist). Sorry.
Zudem muss man beachten, dass die Schärfentiefe bei Blende 5.6, Brennweite 55mm und einem Abstand von 1.70m bereits deutlich über 20 cm ist. Man findet also prinzipiell keine deutliche Schärfeebene, wie bei einem Focustest mit einem kleinen Chart und 30cm Abstand. Das ist wohl für manche Betrachter etwas ungewohnt.