UKW-Locator-Datenbank und UKW-master.dta für N1MM-Contest-Logger

Dieses Projekt ist wieder einmal sehr amateurfunkspezifisch und widmet sich einem sehr speziellem Aspekt der UKW-Wettkampftätigkeit. Wer sich damit nicht so auskennt und wissen möchte, was das alles eigentlich soll, der lese doch bitte meinen Blogeintrag zu diesem Projekt.

Warum das Ganze?

Also zur Sache. Im UKW-Contest ist es relativ wichtig, relativ frühzeitig den wahrscheinlichen QTH-Locator einer Station zu kennen. Da kann man zum einen entscheiden, ob es sich lohnt,die Antenne zu drehen und man weiß ohne lange zu suchen, welche Position die richtige ist. Das ist wichtig für eine zügige Abwicklung des QSOs. Wenn man zu lange braucht, verschenkt man nicht nur Zeit,man kommt vielleicht gar nicht mehr zum Zug, weil die Gegenstation ihre Antenne bereits wieder weggedreht hat. Anderserseits ist ja der Locator Bestandteil der auszutauschenden Kontrollnummer und da schadet es nicht, gerade bei schlechter Verständlichkeit eine Erwartungshaltung zu haben. Natürlich erspart das nicht, ordentlich und gewissenhaft zu hören.

Deshalb ist eine Rufzeichen-Locator-Datenbank essentieller Bestandteil eines Logprogramms für UKW-Conteste. Bisher verwendete ich immer WinContest, aber zum einen regen mich bestimmte Dinge im Userinterface immer mehr auf. Zum anderen fehlt die Unterstützung zur Transceiversteuerung und CW-Ausgabe. Mindestens im Marconicontest im November jeden Jahres ist dies aber wichtig. In Kurzwellencontesten logge ich mit der N1MM-Software. Diese unterstützt auch die VHF-Region1-Conteste hier auf UKW, hat aber keine eigene Call-Locator-Datenbank. Von WinContest verwöhnt (der Autor DD3KU gibt sich richtig Mühe, seine Datenbank zu pflegen), muss eine Lösung her. So kam die Idee auf, die Locatoren aus den Logs der vergangenen Conteste (meiner und der der anderen OMs im OV) und aus den sonst im Web verfügbaren Datenquellen zu extrahieren und eine Datenbank für N1MM zu erstellen. In N1MM kann man die Locator-Datenbank dann über die „Import Call-History“ Funktion importieren (danke Thomas, DL5MO).

Die Lösung

Mein Programm ist ein Kommandozeilentool, dass die Daten aus dem Unterverheichnis „data“ einliest und daraus die folgenden Dateien erstellt:

  • n1mm_qth.txt: Diese Datei enthält die generierte Locator-Datenbank und wird über die „Import Call History“-Funktion vor dem Contest in N1MM übernommen.
  • master_dta.txt: Datei mit den bekannten Contestcalls. Zur Weiterverarbeitung mit MEdit, einem freien Editor für master.dta Dateien.
  • calls_loc_.dat: Das sind die komprimierten Daten aus den Dateien im data-Verzeichnis. Man kann jetzt das data-Verzeichnis löschen und einfach die erstellte calls_loc_.dat für die spätere Verwendung dort hineinkopieren.

Interessant ist eigentlich hier erstmal, welche Dateien man in das data-Verzeichnis legt, um aus denen die gesuchten Daten zu extrahieren:

  • Eine gute Ausgangsbasis ist erstmal die Locator-Datenbank vhf.dtb von WinTest, einem kommerziellen Contestprogramm. Man findet diese hier entweder in vhf.zip oder in vhf_r1_2011.zip (oder welchem Jahr auch immer). Leider ist diese Datenbank sehr unvollständig.
  • (eigene) Logs im ADIF-Format. Die Dateiendung muss .adi sein.
  • WinContest .exp Dateien, die man eigentlich DD3KU mailen solte, damit die Datenbank von WinContest erweitert werden kann
  • .edi Dateien, mit denen man seine UKW-Conteste abrechnet. Neben den eigenen Dateien und vielleicht denen der eigenen Contestgruppe findet man manchmal auch vollständige Logs im Netz.
  • nahezu alle Textdateien, die Call, Locator und Datum des QSO bzw. der Locatorbenutzung in tabellarischer Form enthalten (Leerzeichen, Komma oder Semikolon getrennt). Das Format dieser Textdateien muss getrennt für jede Dateiendung in der qthconv.ini Datei konfiguriert werden. In der ini-Datei ist die Bedeutung der Einträge beschrieben. Hier bietet es sich an, offizielle Ergebnislisten verschiedener Conteste zu melken, und mit einem Texteditor etwas zurechtzuformatieren
  • … und natürlich die Dateien aus den vergangenen Läufen des Programms. Diese Dateien ersetzen dann die jeweilige files aus dem /data-Verzeichnis.

Real braucht man den Mix aus den verschiedenen Datenquellen, weil z.B. die Ergebnislisten arbeitsaufwendig zurechtzuformatieren sind und meist nur einen Contest erfassen. Dort sind auch nur die Stationen erfasst, die abgerechnet haben. Die eigenen Logs oder die der anderen OMs des OVs sind ohne weitere Arbeit integrierbar und enthalten auch die Stationen, die in Reichweite mal mitmachen ohne abzurechnen. Mit einem gewissen initialem Arbeitsaufwand für die Ersterstellung wird man vor jedem Contest nur noch die Logs des letzten Contests durchlaufen lassen und gelegentlich mal wieder eine Ergebnisliste einpflegen.

Wer gehofft hat, hier die ultimative fertige Datenbank zu finden, den muss ich enttäuschen. Hier gibt es nur das Programm zum Erstellen der Datenbank. Damit die Enttäuschung nicht zu groß ist, habe ich dem Programm aber als Bonus eine aufbereitete Datenbank aus den Logs großer tschechischer Stationen und den deutschen Ergebnislisten einiger Conteste aus 2011 und Anfang 2012 beigelegt. Zusammen mit der im Netz verfügbaren Datenbank von WinTest ist das schon mal eine ordentliche Ausgangsbasis.

Die Sache mit der Wichtung

Wenn man Logs als Ausgangsbasis der Daten aufarbeitet, muss man immer davon ausgehen, dass man Fehler im Datenbestand hat. Man kann sich beim Aufnehmen eines Locators durchaus mal verhören oder verraten 😉

Um diese Fehler möglichst zu minimieren, muss der Locator einer Station von im Log einer anderen Station bestätigt werden. N1MM erlaubt nur den Import von zwei Locatoren pro Call. Wenn im zusammengesuchten Datenbestand für eine Station mehr als zwei Locatoren auftauchen, müssen die beiden wahrscheinlichsten ausgewählt werden. Das Programm gibt sich hier etwas Mühe, dies anhand des Datums und der Häufigkeit des Auftauchens in den verschiedenen Quellen zu erledigen.

Die Quellen können dabei verschieden gewichtet werden. Pro QSO in einem Log (*.edi, *.adi Dateien) wird ein Punkt vergeben. Locatoren aus anderen Quellen, wie der vhf.dtb oder aus einer Ergebnisliste können höher gewichtet werden. Die jeweiligen Wichtungsfaktoren können in der qthconv.ini angepasst werden.

Download

qthconv-Program als Win32-Programm unter allen aktuellen Windows-Versionen lauffähig

Einige Daten und die daraus ermittelte Basis-Import-Datei für N1MM und eine master.dta für VHF sind beim Programm enthalten.

Eine Linux-Version kann ich auf Anforderung bereitstellen. Bitte fragen!

Anwendung

  • Die Zip-Datei in ein beliebiges Verzeichnis entpacken, in dem Schreibrechte bestehen (nicht gerade unter C:\Programme)
  • Das data-Verzeichnis mit den Daten füllen, die man auftreiben kann (siehe ohen VHF.DTB, eigene Logs…)
  • qthconv(.exe) starten; Das ist ein Kommandozeilenprogramm ohne grafische Oberfläche (sind eh keine Eingaben notwendig)
  • n1mm_qth.txt in n1mm importieren („Datei/Import Call History“)
  • bei Bedarf master_dta.txt mit MEdit zu eine master.dta verarbeiten und – für den UKW-Contest – damit die master.dta im n1mm-Programmverzeichnis ersetzen.

Viel Spass !

2 Kommentare zu UKW-Locator-Datenbank und UKW-master.dta für N1MM-Contest-Logger

  1. Danke fuer die schoene Zeit auf dieser Webseite. Macht weiter so.

    Da komme ich gerne wieder vorbei.

  2. Simon sagt:

    Hallo Ralf,
    ich bin angehender Funkamateuer ( Prüfung Klasse A im November ).
    Mich würde interessieren, wie aktuell die Daten der Rufzeichen im Bezug auf den Locator sind, da ich momentan selbst ein Projekt entwickle, bei dem mir eine Rufzeichen-Locator-Liste gute Dienste tun würde. Reicht zum Beispiel eine Aktualisierung alle 6 Monate aus, oder sind die Abweichungen der Daten dann schon wieder zu groß?

    73 de Simon

    P.S. Sehr schöne Seite!

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