Neues Projekt: UKW-Contest-Datenbank

Auf meinen Projekt-Seiten ist etwas neues aufgetaucht: Ein Programm zum Extrahieren von Daten aus verschiedenen Datenquellen mit dem Ziel, eine Rufzeichen-Standort Datenbank aufzubauen.

Nun, für den Nicht-Funkamateur will ich hier wenigstens etwas erklären, was das eigentlich soll.

Contest in Barigau, Na gut, Tastfunk ist in UKW-Contesten nicht so typisch

Contest in Barigau, Na gut, Tastfunk ist in UKW-Contesten nicht so typisch 

Wie zumindest meine Familie weiß, fahre ich von März bis November fast jedes erste Wochenende eines Monats auf den Berg, um bei einem UKW-Contest mitzumachen. Andere tun das auch, die Conteste sind schließlich europaweit, und so ist ganz schön Betrieb. Es gilt, in 24h so viele Stationen wie möglich zu funken, genauer gesagt, in Summe so viele Kilometer wie möglich zu überbrücken. Jede gefunkte Station gibt so viele Punkte, wie sie in km entfernt ist. Um die Entfernung zu berechnen, gibt man sich die jeweiligen Koordinaten durch. Dabei wird das sogenannte Maidenhead-System verwendet. Ich wohne z.B. in JO50kq, was sich einfach per Funk übermitteln lässt, aber die Genauigkeit der Ortsbestimmung auf etwa 2-3km begrenzt. Für unsere Anwendung genügt das aber. Die Position im Maidenhead-System wird auch Locator genannt. Wie man sich denken kann, sind die weit entfernten Stationen besonders wertvoll. Sie bringen viele Punkte, sind aber oft sehr leise und schwierig aufzunehmen. Überhaupt ist Funken – besonders auch im Wettkampf – nicht mit Telefonieren zu vergleichen. Die Verständlichkeit ist oft sehr schlecht, Störungen immer irgendwie da und oft klappt die Verbindung nur, wenn beide Antennen aufeinander zu zeigen. In der Regel muss man um eine Verbindung mehr oder weniger kämpfen.

Im März liegt auch manchmal noch Schnee, die beiden drehbaren Antennen sind hier gut zu sehen

Im März liegt auch manchmal noch Schnee, die beiden drehbaren Antennen sind hier gut zu sehen 

Damit sind wir bei einer Besonderheit der UKW-Wettkämpfe: Es werden echte Richtantennen mit relativ guter Richtwirkung verwendet. Auf Kurzwelle ist das bei weitem nicht so extrem, aber auf UKW ist man quasi ständig am Drehen der Antenne. Man nehme mal an, man hört eine leise Station nach einem Partner rufen (CQ-allgemeiner Verbindungswunsch). Ist das eine wirklich weit entfernte Station und ich kann bzw. muss gleich zuschlagen bevor diese ihre Antenne wieder weggedreht hat? Wie stelle ich meine Antenne möglichst schnell auf die Station ein? Lohnt sich das überhaupt? Ist es schneller und würde auch gehen, die Station mit der schwächeren Rückrichtung der Antenne anzurufen? Oder ist das eine nahe Station und unsere beiden Antennen stehen nur ungünstig? Dann habe ich für diese Station später sicher auch noch genug Gelegenheiten und müsste meine Zeit jetzt nicht unnötig verschwenden. Man sieht, neben Erfahrung, Intuition und einfach Können ist es ziemlich hilfreich, den ungefähren Standort der gehörten Station möglichst sofort zu wissen.

Man braucht also eine kleine Datenbank, die zu einem Rufzeichen die bekannten üblichen Standorte weiß. Das ist normalerweise die Aufgabe des Contestprogramms, mit dem ich meine Verbindungen logge. Bisher habe ich ein Programm namens Wincontest verwendet, dessen Autor sich mit seiner Locator-Datenbank recht viel Mühe gibt. Allerdings hat das Programm eine Reihe anderer Schwächen (schweigen wir hier) so dass ich lieber mein übliches Programm für die Kurzwellenconteste verwenden würde (das heißt nach dem Rufzeichen des Programmierers: N1MM). Das wiederum hat keine Locator-Datenbank. Übel. Thomas DL5MO hat für dieses Programm aber den Import dieser Infos möglich gemacht (ist Open source, da geht sowas). Also fehlt noch eine gute Datenbasis.

Hier beginnt meine Arbeit. Es gibt verschiedene Datenquellen: die Datenbanken anderer Contestprogramme (leider nicht von WinContest, die ist verschlüsselt), natürlich die eigenen Logs mit den Infos aus früheren Contesten, Logs anderer Stationen, die zuweilen im Internet veröffentlicht werden und schließlich Ergebnislisten der Conteste. Ich habe also ein Konvertierungsprogramm geschrieben, dass solche Infos einliest (d.h. möglichst viele Importformate kennt) und geeignete Exportformate, z.B. für das N1MM-Programm ausgibt. Und dabei berücksichtigt es auch noch, dass in einem Log Fehler vorkommen und deshalb Informationen immer durch eine andere Quelle bestätigt werden müssen.

Hier sieht man eine wesentliche Eigenschaft der Amateurfunk-Wettkämpfe: Man sieht immer irgendwelches technisches Verbesserungspotential und zwischen den Wettkämpfen wird gebastelt und eben auch programmiert, damit es beim nächsten mal etwas besser klappt. Und weil wir trotz aller Konkurrenz im Wettkampf eine Community sind und dem Open-Source und Open-Knowledge-Gedanken verbunden sind, behalten wir nicht alles für uns, sondern teilen das Geschaffene. Deshalb stelle ich mein Konvertierungsprogramm und den Teil meiner Datenbank, den ich zum Teil rech mühevoll aus dem Internet zusammen kopiert habe, für alle zur Verfügung.

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