Mobiles Surfen in Frankreich oder zwei Stunden im Telefonladen (+Nachtrag)

Nun sind wir also wieder mal in Frankreich und bevor ich mit den privaten Blogeinträgen weiter mache, kommt hier erstmal noch ein kleiner Erfahrungs- und Testbericht.

Also, Internet im Urlaub ist für den geneigten Informatiker ja kein Luxus, sondern irgendwie Notwendigkeit. Der Campingplatz weiß das auch und bietet an der Bar/Rezeption ein freies Wifi. Aber erstens muss man zur Nutzung zur Bar wandeln und zweitens machen das gerade abends sehr viele Leute (haben mittlerweile eigentlich alle ein Notebook / Tablet / Smartphone mit im Urlaub?) und die Transferraten sind dann eher unterirdisch. Also muss etwas anderes her.

In Deutschland habe ich schon versucht, mich kundig zu machen. Frankreich ist hinsichtlich der Datennutzung im Mobilfunk mehr Entwicklungsland. So richtige Tarife kamen erst mit dem iPhone auf und auch jetzt ist das Tarifangebot nicht mit Deutschland zu vergleichen. Im Wesentlichen dominieren die großen Telefongesellschaften SFR, Orange und beschränkt noch Bouygues den Markt. Auf deren Internet Seiten liest man viel Werbung, aber kaum was Konkretes. In diversen Foren wurde in den vergangenen Jahren immer empfohlen, eine Orange Prepaid SIM zu kaufen und dann die Internet Max Option zu buchen. Der Markt ist aber anscheinend schnelllebig und ich kann nach einiger Recherche noch nicht mal mit Bestimmtheit sagen, ob es diese Option noch gibt und zu welchen Konditionen (sprich: Freivolumen) diese aktuell buchbar ist. Für Vertragshandys ist das alles kein Problem, aber für Prepaid-Karten. Also dachte ich mir, wir gehen hier in einen der reichlich vorhandenen Telefonläden und machen das vor Ort.

Gesagt getan, nach dem Urlaubs-Initialeinkauf im Supermarkt die Ecke mit den Telefonläden gefunden: SFR, Orange und ein unabhängiger Verkäufer waren vor Ort. Beim Unabhängigen winkte man gleich ab, als das Wort Internet fiel. Macht man nicht. In dem großen Orange-Laden stapelten sich chaotisch die Leute (nicht wenige mit offensichtlich defekten DSL-Routern in der Hand) und bei SFR durfte man erstmal eine Nummer ziehen – wie auf einem deutschen Amt.

‚Wie auch immer, die SFR-Nummer wurde früher aufgerufen als man bei Orange auch nur einen Berater sehen konnte und so waren wir bei SFR. Das Galaxy S3 vorgezeigt und gesagt, dass man damit Prepaid-Internet möchte. Ja, das gibts natürlich (!) 10,- für die SIM und jeweils 9,- für eine Woche surfen bis 1GB. Das erschien uns sehr akzeptabel also gekauft (Ausweis kopiert, aber auf franz. Fantasieadresse registriert), aktivieren lassen und aufgeladen.

Dann kam die Ernüchterung, das Galaxy buchte sich nicht im System ein bzw. wurde gleich wieder rausgeschmissen. Tausend Tests (SIM in anderes Handy, diverse Einstellungen…) und mehrere Telefonate mit Hotlines später wurde bescheinigt, die SIM ist leider nicht mit unserem Handy kompatibel. Aha. Und was nun? Rückabwickeln geht auch nicht, schon registriert und Guthaben verbucht.

Um es kurz zu machen, es liegt natürlich nicht am Handy, sondern diese Art Tarif (Card SIM Prête à surfer Tablette & Cle) funktioniert nur in Websticks und Tablets. Fürs Handy hätte es auch was gegeben, aber zu deutlich schlechteren Konditionen, vor allem zu einem schlechteren Inklusivvolumen (300MB bei SFR, womöglich hätte es bei Orange was für 500MB gegeben).

Da standen wir also dumm herum, der Verkäufer war recht nervös und sich seiner Schuld bewusst und harrten einer Lösung. Diese bestand aus einem akkubetriebenen GSM-WLan Accesspoint zu einem echten Sonderpreis (Normalpreis am 16.8.2013: 49,95€)

Huawei E5220: Geniales Teil zum mobilen Internetzugriff (zum Größenvergleich neben dem Galaxy S3)

Huawei E5220: Geniales Teil zum mobilen Internetzugriff (zum Größenvergleich neben dem Galaxy S3) 

Der „SFR-Web Trotter“ aka Huawei E5220s-2 ist ein niedliches Teil, dass man mit sich herumtragen kann und dabei einen WLan Accesspoint mit dem Mobilfunkzugang hat. Das Handy kann sich darüber übers WLan verbinden und natürlich auch alle Notebooks der Familie. Auf dem Zeltplatz gibt es natürlich kein UMTS, aber das Teil stellt auch über EDGE eine recht flotte Verbindung her.

Ich habe bzw. hatte bereits zwei nicht akkubetriebene GSM-WLan-Brücken, die beide nur bei UMTS wollen (obwohl der anschließbare Stick auch EDGE kann) und damit auf dem flachen Land nicht zu gebrauchen sind. Insofern war der neue Accesspoint eine gute Investition und läuft hier unerwartet gut. In Anbetracht der Tarife für SIMs, die auch im Handy funktionieren, ist diese Lösung für multiplen Zugriff per Notebooks/Smartphones wohl die weitaus Bessere.

Zusammenfassend:

  • Frankreich ist für den mobilen Internetzugriff immer noch Entwicklungsland. Die informationslosen Internetauftritte sind offensichtlich Programm und auch die Berater vor Ort sind schlecht informiert. Nach dem Abwinken in dem einen Telefonladen und dem Fiasko im zweiten beschleicht mich der Verdacht, dass dies ehr die Regel ist.
  • Tarife, die mit „pour clé internet“ markiert sind, funktionieren wirklich nicht mit normalen Handys.
  • Die Sache mit dem mobilen Web-Stick funktioniert gut und auch die Tarife hierfür sind akzeptabel.

Nachtrag 28. August

Jetzt ist der Urlaub vorbei und der Web Trotter hat gut durchgehalten und sich bewährt. Wir mussten die zweite Aufladung ( 2x 7 Tage/1GB erworben) nicht durchführen. Der Zugang lief durch bis zuletzt. Ich hatte eigentlich nach einer Woche erwartet, dass der Zugang erstmal stoppt. Hmmm. Wahrscheinlich hat der Typ im Telefonladen die zweite Aufladung gleich mit aktiviert. Na hoffentlich findet uns SFR nicht, um uns eine Rechnung zum Normaltarif zuzustellen.

Was noch:

  • Der Web Trotter hält mit Batterie so ca. 3h +- durch. Das ist OK, aber nicht für eine lange Bergtour ausreichend
  • Man darf den Web Trotter nicht auf eine metallische Unterlage legen. Das schirmt wohl die interne Antenne ab.
  • Wir haben in 2 Wochen zu dritt 1.2 GB versurft und dabei das Netz jetzt nicht soo lange benutzt. Ein 300MB-Volumen einer normalen Handy-Wochenflat hätte nicht gereicht. Man kann noch etwas sparen, wennman alle Notebook sehr sorgfälltig konfiguriert. Mir ist ein Notebook mit Windows-Updates und einer mit einem Firefox-Update durch die Lappen gegangen, die volumenmäßig nicht hätten sein müssen. Aber echt, es ist schwer, hier an alles zu denken.
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3 Kommentare zu Mobiles Surfen in Frankreich oder zwei Stunden im Telefonladen (+Nachtrag)

  1. A(DC1)lex sagt:

    … machst Du das alles eigentlich auf Französisch? Scheint ja doch einiges an Kommunikation gelaufen zu sein.

    • Ralf sagt:

      Ja, das trifft schon den Kern der Problems. Aber mein Französisch ist ja nun nicht so flüssig. Wenn ich ein wenig Zeit habe, kann ich mir also die Anmoderation (Was will ich haben …) zurechtlegen. Der Verkäufer merkt natürlich, dass er es mit einem Ausländer zu tun hat und antwortet in der Regel in englisch.

      In dem Laden war das Englisch aber nahezu so schlecht wie mein Französisch, so haben wir uns so halbe halbe durchgewurschtelt. Das ging eigentlich ganz gut. Wenn sich beide Seiten bemühen ist da ja einges zu machen.

      Nur bei den Rabattverhandlungen hat es kurzzeitig ausgesetzt und der Verkäufer hat eine Übersetzungsmaschine (bing??) bemüht. Deren Ergebnis war haarsträubend und rätselhaft, aber die geschriebene französische Anfrage haben wir dann doch verstanden (ist ja einfacher als der gesprochene Redefluss). 🙂

      Ich weiß aber echt nicht, ob solche Aktionen funktionieren, wenn man gar kein Französisch spricht. Theoretisch kommt man mit englisch durch, aber erstens steigert ein wenig Landessprache gerade in Frankreich das Bemühen der Einheimischen beträchtlich und gerade bei Verkäufern und Hotelangestellten scheint mir die englische Sprachkenntnis irgendwie geringer als beim ZufallsNachDemWegfragen auf der Straße.

      • A(DC1)lex sagt:

        ja, das haben wir in Paris damals auch gemerkt. Man sollte sich wenigstens die Begrüßung in Französisch herausquählen. Damit kommt man dann meist schon weiter 🙂

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