Testbericht zu „Antennen“-Einparkhilfe

Auf meiner alten Homepage hatte ich diesen Testbereicht veröffentlicht. Da dieser auch nach Jahren noch reichlich Zugriffe verzeichnet, übernehme ich ihn hiermit in das neue WordPress-Blog.

Vergleich von verschiedenen Systemen zur Einparkhilfe (Abstandswarner) im KfZ

Ja, ich weiß. Ein richtiger Mann braucht sowas nicht. Der weiß auf den cm-genau, wo sein Auto hinten aufhört. Nun gibt es ja dankensweise immer noch die Frauen, denen wir eine Einparkhilfe zugestehen.

Scherz beiseite. Ich bin jahrelang den Toyota Carina II Kombi gefahren und hatte nie das Bedürfnis nach einer solchen technischen Krücke. Dann kam das Upgrade auf den Toyota Avensis. Ein wirklich sehr schönes Auto. Nur die Übersicht nach hinten ist dem Design (hochsitzende untere Kante des Rückfensters) und der Sicherheit (breitere Säulen engen das effektive Sichtfenster ein) zum Opfer gefallen. Und das bei einem Kombi. Der ADAC hat das auch schon in einem Test bemänglelt, nur hätte ich das nicht geglaubt.

Egal, jedenfalls keimte der Wunsch nach einem elektronischen Auge. Auf dem Weg nach einer guten und preiswerten Nachrüstmöglichkeit stößt man auf mehrere Systeme. Damals habe ich im Internet nach einem Vergleich oder wenigstens nach Erfahrungsberichten gesucht, wurde aber nicht fündig. Ich konnte inzwischen durch einen unglücklichen Umstand 😉 zwei verschiedene Systeme im praktisch gleichem Fahrzeug testen und will durch diesen kleinen und sehr subjektiven Beitrag diese bedeutende Lücke im Internet schließen 😉

Also, es gibt mehrere Systeme für Einparkhilfen:

  1. das konventionelle Ultraschall-System, dass die meisten Autohersteller als Zubehör liefern
  2. die sogenannte Antennenband (E.P.S.) Einparkhilfe
  3. eine Videokammera mit Bildschirm im Cockpit

Letztere Variante kenn ich nicht, wird sich aber in Zukunft verbreiteten, wenn durch (serienmäßige?) Navigationssysteme usw. sowieso bereits ein tauglicher Bildschirm vorhanden ist.

Die Kamera selbst ist wohl inzwischen preislich vernachlässigbar.

Das Ultraschall-System

Beim Ultraschall-System sendet eine kleine „Lautsprecher/Mikrophon-Kombination“ (Piezo-Kristall in Plaste verkapselt mit ungefähr einem cm Außendurchmesser) sehr hochfrequente Schallwellenbursts aus und misst die Zeit, bis das Echo kommt. Je näher ein Gegenstand ist, desto schneller ist das Echo da. Im Prinzip machen es die Fledermäuse ja auch so. Ein Sensor hat nur ein begrenztes „Sichtfeld“. Um die ganze Rückseite des Autos abzudecken und auch noch Gegenstände in Kantennähe zu erfassen, sind mindestens vier Sensoren notwendig.


Rückfahrsensor in der Stoßstange

Die Entfernung zum nächsten Gegenstand wird durch ein zyklisches Piepsen angezeigt. Je schneller die Piepser kommen, desto näher ist der Gegenstand. Ein Dauerton signalisiert dabei die Kontaktgefahr.

Mein System (Toyota-Zubehör) meldet beim Einparken bereits Autos ab ca. 1.20 m Abstand. Der Kontaktalarm (Dauerton) kommt dabei schon ab ca. 20 – 30 cm. Das ist reichlich, aber auch bei einer Anhängekupplung noch ausreichend.

Nachteilig ist die lange Ansprechzeit bis das System den Abstand der Piepstöne anpaßt. Wenn man einen „Bocksprung“ rückwärts macht, dann piepst es erst, wenn man bereits aufgefahren ist. Man muß echt langsam rückwärts fahren.

Zuweilen kommt es zu Fehlalarmen (es piepst ohne ein relevantes Hinternis). Verständlich ist dies, wenn man rückwärts auf einen steileren Hang zufährt. Aber offensichtlich beeindrucken auch Bodenunebenheiten (Schlaglöcher) etwas das System. Bei Nässe spielt es manchmal komplett verrückt. Vermutllich müßte man dann die Sensoren von Wasser und Schmutz reinigen.

Ultraschall-Einparkhilfen sind vergleichsweise teuer. Man schaue selbst in die Zubehörliste des eigenen Autos, für den Toyota Avensis stehen da 321,- EUR (04/2004). Was der Händler noch für den Einbau will, kann ich nicht sagen.

Die Antennenband-Einparkhilfe

Die Anntennenband-Einparkhilfe arbeitet nach einem ganz anderen Prinzip. In die Innenseite der Stoßstange (aus Kunststoff, sonst geht’s nicht) wird ein Aluminiumstreifen – das sogenannte Antennenband – geklebt. Dieses wird vom Steuergerät mit einem Hochfrequenzfeld (HF-Feld) beaufschlagt. Nähert sich ein Gegenstand, dämpft dieser das elektrische Feld.


Cover der EPS-Einparkhilfe-Verpackung; am Auto ist von außen nichts zu sehen

Im Gegensatz zum Ultraschall-Verfahren arbeitet diese Variante dynamisch: Das Steuergerät kann nur eine Annäherung detektieren (solange sich das Hochfrequenzfeld ändert) und keinen statischen Abstand. Man muß also erst losfahren, bevor man vor einem Hindernis gewarnt wird.

Weiterhin muß der zu detektierende Gegenstand das elektromagnetische HF-Feld auch beeinflussen. Das klappt nicht gleich gut. Metall und feuchte Gegenstände (Menschen, Pflanzen) sind unproblematisch, Steine funktionieren auch irgendwie aber bei einer Glaswand sieht es wohl schlecht aus.

Ein großer Vorteil dieses Verfahrens ist die einfache technische Realisierung, die sich in einem recht niedrigen Preis niederschlägt (bei www.reichelt.de: 99.- EUR). Auch müssen am Auto kaum von außen sichtbare Umbauten getätigt werden. Das Sensorband (der Aluminiumstreifen) klebt unsichtbar in der Stoßstange. Lediglich ein kleines Loch für das Anschlußkabel ist notwendig.

Der Preis relativiert sich aber durch die Einbaukosten (beispielsweise in einer sehr preiswerten Werkstatt 150,- EUR), wenn man das nicht selbst machen kann. Bei mir scheiterte es beispielsweise daran, dass ich die Stoßstange nicht abbekam. Na ja, ein paar Schrauben lösen ist ja gut, aber das Ding ist mit einem Snap-Mechanismus befestigt. Wenn man nicht wirklich genau weiß, wo man wie stark ziehen kann, hat man keine Chance.

In der Praxis funktioniert die Einparkhilfe erstaunlich gut. Auch diese Variante piepst immer schneller, je näher der Gegenstand dran ist. Allerdings piepst es nur, wenn sich das Auto auf den Gegenstand zu bewegt. Detektiert werden Gegenstände ab etwa 50 cm, wobei ich den Eindruck habe, daß es von der (elektrischen, siehe oben) Beschaffenheit des Gegenstandes abhängt, wie sensitiv die Einparkhilfe reagiert. Kontaktalarm gibt es wirklich erst auf den letzten Zentimetern. (Aber bei Autos mit Anhängerkupplung schon etwas spät 😉

Der nervigste und größte Nachteil der Antennenband-Einparkhilfe ist jedoch die Empfindlichkeit bei Bodenunebenheiten. Die Ultraschall-Variante hat eine gewisse Richtwirkung in der Sensorik, bei der Antennenband-Variante fehlt diese völlig. D.h. Bodenunebenheiten unterhalb des Sensorbandes registriert das Gerät ebenso wie sich annähernde Gegenstände in Rückfahrrichtung.

Man mindert diesen Nachteil, wenn das Antennenband mindestens 50 cm über den Boden angebracht wird (vor Kauf unbedingt ausmessen!!). Das ist also nichts für tiefergelegte Rennwagen (aber die brauchen so Weiberzeugs eh nicht 😉 ).

Bei mir war das Antennenband zunächst nur ca. 35 cm über dem Boden, was lt. Einbauanleitung jedoch bereits größer als der Mindestabstand ist. Und da piepst es nur so beim Rückwärtsfahren (wenigstens wenn die Straße nicht aalglatt ist). Die dauernden Fehlalarme sind echt nervig. Bei 45-50 cm Einbauhöhe ist das weit weniger schlimm, aber gelegentliche Fehlalarme sind prinzipiell nicht zu vermeiden. Übrigends registriert das Ding auch einen ebenen Gullideckel aus Metall als Hindernis (weil das Metall das HF-Feld des Antennenbandes stärker bedämpft als die Straße).

Sehr schön hingegen ist das schnelle Ansprechen auf Hindernisse. Selbst bei zügigen Rückwärtsfahren warnt es hinreichend schnell. Außerdem ist es DAS System, wenn man einen Abstandswarner nach vorn sucht. Man klebt das Antennenband einfach in die vordere Stoßstange und baut noch einen zusätzlichen Schalter zur Aktivierung ein. (geht ja jetzt nicht über die Rückfahrleuchte).

Resumé

Beide Varianten sind durchaus tauglich und zu empfehlen. Bei mir hat sich die Anschaffung bereits bei mindestens 2 Gelegenheiten amortisiert, wo ich bzw. meine Frau ein hinten stehendes Auto echt übersehen habe (das liegt aber an unserer unübersichtlichen Garagenausfahrt, da parkt gegegentlich mal jemand im toten Winkel und wenn man vorher nicht schaut…). Auch der Komfort beim Einparken oder auch beim Ausparken auf Parkplätzen belebter Einkaufszentren ist schon prima.

Bei der Ultraschall-Einparkhilfe stört die lange Ansprechzeit. Da die Einparkhilfe aber schon Gegenstände in über einem Meter Entfernung detektiert, ist das bei langsamen Fahren nicht wirklich ein Problem. Rasante Zeitkollegen könnten aber durchaus in einer Geschwindigkeit ausparken, dass es erst „klappert“ bevor es piepst.

Die Antennenband-Einparkhilfe ist preiswerter und mehr für die Navigation auf den letzten cm geeignet. Man muß das Antennenband aber unbedingt möglichst hoch über der Straße anbringen. Unter 50 cm macht es echt keinen Spaß. Wenn das fahrzeugbedingt nicht geht, dann Hände weg von dieser Lösung.

Die Ultraschall-Variante warnt bereits im stehenden Auto vor einem Hindernis, bei der Antennenband-Version muß man erst mal losfahren. In der Praxis ist dies nicht so störend, da man ja beim Einsteigen mitbekommt, wie das Auto steht.

Bei beiden Systemen muß man immer mit einigen Fehlalarmen aufgrund unebener Fahrbahn leben. Wen das stört, ist mit der Ultraschall-Version immer noch etwas besser bedient, als mit der Antennenband-Anlage.

Ich hoffe, diese stark subjektive Sicht hilft so manchem bei der Entscheidung…

Update Oktober 2005

Nach einiger Nutzungszeit sollte ich viellicht noch folgende Eindrücke nachreichen:

  • Im Urlaub hing das Auto aufgrund des vollen Kofferraums wohl etwas hinten herunter. Optisch hat man das nicht gesehen (wie etwa bei manchen polnischen Autos, die man so auf der Autobahn antrifft…), aber die Ultraschall-Einparkhilfe erkannte den Boden hinter dem Auto als (immer gleich entferntes) Dauerhinterniss, was schon ein wenig nervt. Besonders wenn man das Teil aufgrund der zuladungsbedingt mangelnden Rückaussicht besonders gebrauchen könnte. Weniger schön.
  • Die Antennenband-Einparkhilfe gibt es nicht mehr bei Reichelt zu kaufen, aber Conrad führt sie noch. (Nach „E.P.S. Antennenband Einparkhilfe“ suchen. Es gibt jetzt auch eine Variante mit zusätzlichen LED-Abstandsdisplay für den Rückspiegel.)
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Ein Kommentar zu Testbericht zu „Antennen“-Einparkhilfe

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