Wärmedämmung mit Online-Baumarkt Bausep.de

Was macht der Besitzer eines älteren Eigenheimes mit der obligatorischen Woche Resturlaub im Frühjahr? Klar, er eröffnet eine neue Baustelle im Haus.

Wir haben eine Garage im Haus (unter Wohn- und Arbeitszimmer) und das Garagentor ist schon etwas marode. Jedenfalls muss eine Maus nicht abbremsen, wenn sie durch die Ritze im geschlossenen Tor rennen will 😉 Sprich, es ist mal ein neues Tor fällig und der Fußwärme im Wohnzimmer täte eine Dämmung der Garagendecke recht gut. Und die Dämmung kommt vor der Torerneuerung, da sonst die Sektionaltorbefestigung an der Decke im Weg ist. Die Zeit ist also reif.

Bestandsaufnahme

Vor jeder Dämmmaßnahme empfiehlt sich eine Berechnung von U-Wert und Taupunkt. Hierfür empfehle ich den U-Wert Rechner auf u-wert.net.

Der derzeitige Deckenaufbau ergibt erschreckendes. Der geschätzte Fußbodenaufbau hat einen U-Wert von ca. 1.4 W/m²K und eigentlich wirkt nur die Parkettschicht etwas dämmend. So ist klar, warum die Garage auch im Winter nicht wirklich kalt wird. 8cm Styropor würde den U-Wert auf 0.37 W/m²K bringen und den Taupunkt auch unter worst-case Bedingungen aus dem Aufbau heraushalten. Nebenbei als Richtwert: Die EnEV2009-Norm besagt: <0.3, da sind wären wir also schon dicht dran. Die Deckenhöhe ist mit ca. 220cm aber nicht soo hoch und das neue Garagentor soll als Sektionaltor mal unter der Decke lang laufen. Es bietet sich also an, wirklich mit jedem cm zu geizen. Statt Styropor muss also ein besserer Dämmstoff ran, der eine deutlich dünnere Dämmschicht erlaubt.

Welche Dämmplatten und woher?

Die Suche nach besseren Dämmmaterialien ist aber nicht so einfach und deshalb schreibe ich das hier auch für die Öffentlichkeit. Die Auswahl an Dämmstoffen ist theoretisch recht groß. Ich habe bisher schon sehr gute Erfahrungen mit Gipskartonplatten mit PUR-kaschierter Dämmung gemacht (stellt z.B. Linzmeier her). Beim Herumsuchen blieb ich dann auch wieder bei PUR-Platten hängen, die anscheinend derzeit im Vergleich zu ihrer sehr guten Dämmwirkung gerade noch bezahlbar sind. Davon gibt es auch – theoretisch – eine große Auswahl an Varianten: alu- oder filzkaschierte Platten, weiß lackierte Oberflächen, fertige Zieroberflächen, mit und ohne Nut- und Feder etc.

Nun, in einem reinen Funktionsraum wie einer Garage bin ich was die Gestaltung betrifft flexibel. Wenn es sich preislich rentiert, muss es nicht die super-design Oberfläche sein. So habe ich den hiesigen Baumarkt abgegrast und beim örtlichen Baustoffhandel (der ehr für die Profis ausgerichtet ist) angefragt. Baumarkt: komplette Fehlanzeige. Da gibts anscheinend nur Billigzeugs. Baustoffhandel: Ja die können prinzipiell alles besorgen, aber die Preise haben mich glatt umgehaun. Unter 17,- EUR/m² war nichts zu haben und die Beschaffungsfristen sind auch utopisch (so 5 Wochen brauchts schon, wenn der Transport nicht extra teuer werden soll). Wat nu?

Bausep.de

Hier kommt ein Online-Baumarkt ins Spiel. Ja, was es alles gibt. Im Internet bei Bausep.de habe ich dann geeignete PUR-Platten gefunden. 4cm-dick, beidseitig alu-kaschiert mit einem k-Wert von 0.23. Das ergäbe bei einer 4cm Dämmung einen U-Wert von 0,41 W/m²K. Die Alu-Oberfläche ist erstmal nicht störend und man kann sie bei Bedarf überstreichen. Passt. Die Lieferzeit sollte 1-3 Tage sein, geliefert wird mit Spedition. Die Platten kosten ca. 8,50 EUR/m², kostenlose Lieferung (dieser Platten, quasi als Sonderangebot) und das ist gegenüber ca. 5,50 EUR/m² für 8cm-dicken Styropor aus dem Baumarkt ein akzeptabler Mehrpreis. Der Kleber schlägt allerdings nochmal kräftig zu. Man kann hier doch großzügig nochmal 1,50-2,00 EUR/m² veranschlagen (wäre aber bei Styropor nicht viel anders).

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Also, Mittwoch Abend vor der Bauwoche zusammen mit Acrylat-Kleber der Eigenmarke Bausep bestellt, per Kreditkarte bezahlt und dem Baubeginn am Montag entgegengefiebert. Montag (2 Werktage später) kam aber erst die Versandbestätigung. Da wurde ich doch schon unruhig. Immerhin konnte man die Lieferung online tracken und der Spedition telefonisch nochmal die Dringlichkeit einer frühzeitigen Auslieferung vom lokalen Verteilerlager verdeutlichen. Irgendwie habe ich wohl „Lieferzeit“ mit „Zeit, bis zu der es bei mir angeliefert wird“ übersetzt. Richtig wäre wohl „Zeit, bis zu der die Lieferung weggeschickt wird“.

Nun, auf dem Bau geht ja nie etwas so schnell, wie man es plant und so hab ich Donnerstag gegen 10:30 Uhr gesagt: „Jetzt bin ich soweit und man müsste die Platten endlich haben“. Wirklich, wie im Kino hielt zwei Minuten später der LKW vorm Haus und lud die Palette ab. Das ist Just-in-time. (auch wenn aus den veranschlagten 1-3 Tagen, eine reichliche Woche geworden ist).

Die Platten waren an einer Stelle beschädigt. Dies ist nicht Bausep und wohl auch nur sehr bedingt der Spedition anzulasten. Es ist ein bekannter Nachteil der PUR-Platten dass diese nicht sehr robust und damit dem Baustellenalltag schlecht gewachsen sind. Letztlich spielte das aber keine Rolle, da die Beschädigung im unvermeidlichem Verschnitt unter ging. Soweit hat mit der Bestellung also alles geklappt.

Qualität der Waren

Die Qualität der Platten war ansonsten sehr gut. Sehr leicht und steif, mit dem Fuchsschwanz einfach zuzuschneiden und prima zu verarbeiten. Der Bausep-Acrylatkleber ist zwar eine teure Sache aber eine prima Pampe: Durch die sehr gute Anfangshaftung kann man die Platten problemlos allein an die Decke kleben. Kleber in Butzen auf die Platte (nicht vollflächig, das verbraucht zu viel Kleber und ist nicht wirklich notwendig), mit der 8er-Zahnkelle breitschmieren und an die Decke drücken. Hält.

Allerdings braucht man deutlich mehr Kleber als angegeben. Lt. Beschreibung benötigt man einen Eimer Kleber für 10m². Ich habe damit nur 8m² geschafft und eigentlich hätte man wohl auch noch mehr Kleber draufschmieren können. Man neigt als Nicht-Profi sowieso dazu, lieber mehr zu nehmen. Also, den Kleber großzügig bestellen.

30m² kann man allein gut in einem Tag zuschneiden und ankleben. Was dann länger aufhält sind die Nacharbeiten: Die Fugen mit Alu-Klebeband verkleben, Lampen und Haken wieder anschrauben etc.

Ein paar Platten sind nicht vollflächig fest geworden (federn beim Andrücken). Das lag vermutlich sowohl an mir als auch am Untergrund. Manche Platten habe ich wohl mit der nachträglichen Unterstützung zu einseitig und zu fest angedrückt. Hier muss ich nochmal nachverdübeln. Aber das sollte man zur Sicherheit sowieso.

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Dieses Bild vermittelt einen kleinen Eindruck von der Ansicht der alukaschierten Platten und von der doch recht niedrigen Deckenhöhe über dem Tor.

Lohnt sich das überhaupt?

Vorneweg, mal unabhängig von der Energieeinsparung verspreche ich mir durch die Isolation einen wärmeren Fußboden und damit eine bessere Wohnqualität. Deshalb würde ich das auch ohne finanzieller Rendite machen. Trotzdem ist es mal ganz nett, die Energieeinsparung wenigstens mal überschlagsweise nachzurechnen.

Durch die Dämmung senken wir den U-Wert von 1,4 auf 0,4 W/m²K. Anders ausgedrückt, pro m² Fußboden und Kelvin Temperaturdifferenz brauchen wir jetzt 1W weniger an Heizleistung. Im Wohnzimmer sind es durchschnittlich 20°C (wenn geheizt wird, deutlich mehr, dafür nachts weniger), in der Garage wohl so 10° im Winter. Macht also 10K Differenz (großzügig, real wohl etwas weniger vor der Dämmung). Bei 25m² (knapp, ehr etwas mehr) Boden sind das 250W Heizleistung, die durch die Isolation weniger benötigt werden. Das Ganze an 150 Tagen Heizperiode (ehr knapp, aber im Herbst/Frühjahr ist die Temperaturdifferenz ehr kleiner) macht 900 kWh. Bei einem Preis von 6.6 Ct/kWh (aus der letzten Abrechnung, das wird tendentiell ja immer teuerer) wäre das eine Einsparung von ca. 60 EUR im Jahr. Die Dämmung hat mich ungefähr 400 EUR gekostet, was demnach in ca. 7 Jahren wieder amortisiert wäre. Ich habe bei dieser Überschlagsrechnung zwar arg geschätzt, aber in der Tendenz sollte sich die Dämmung also auch wirtschaftlich lohnen. Allerdings wohl kaum noch bei mehr als den doppelten Preis, den ich im Baustoffhandel bezahlt hätte.

Zusammenfassung

Was lernen wir daraus?

  • Es gibt modernere und besser geeignete Baustoffe als im gewöhnlichen Baumarkt und preiswertere Bezugsmöglichkeiten als eine Sonderbestellung im Baustoffhandel: Mal bei bausep.de vorbeischauen.
  • Angegebene Lieferzeiten sind auch bei bausep so eine Sache. Lieber früher bestellen und nicht so knapp kalkulieren. Ansonsten ist die Abwicklung aber ganz super. Die Spedition braucht aber jemanden, der die Ware entgegen nimmt, ruft aber vorher an, um einen Liefertermin zu vereinbaren.
  • PUR-Platten sind von der Dämmwirkung und von der Verarbeitung sehr empfehlenswert, aber empfindlich in der Handhabung (Transport, ungeschützte Lagerung) und bei der richtigen Bezugsquelle 😉 preislich akzeptabel.
  • Der Bausep-Acrylatkleber (Kellerdeckenkleber) ist sehr empfehlenswert. Man braucht aber 1/3 mehr als angegeben.

Allen Bauinteressenten viel Erfolg und auf ins nächste Projekt! Und natürlich sind Rückmeldungen und Kommentare zum Thema hier ausdrücklich erwünscht.

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4 Kommentare zu Wärmedämmung mit Online-Baumarkt Bausep.de

  1. Dirk sagt:

    Hey Ralf!
    Ordentliche Arbeit die du da geleistet hast! Ich würde dir nur beim nächsten mal eine andere Deckendämmungsmethode empfehlen. Klar muss es nicht immer die Profiplatte sein, aber du solltest viele Shops durchgehen und dann die beste auswählen.
    So habe ich es auch gemacht und war mit 1a-dämmstoffe zufrieden.
    Man braucht zwar keinen Profi der einem bei der Auswahl hilft, aber dennoch sollte man kurz auflisten was man von der Dämmung erwartet und was welche Dämmung leisten kann. 🙂
    Ansonsten wünsche ich dir viel Spaß beim nächsten Projekt !

    Liebste Grüße
    Dirk

    • Ralf sagt:

      Lieber Dirk,

      auch wenn deine IP-Adresse im Bereich einer Online-Marketingfirma liegt, lasse ich den Beitrag mal gern stehen und antworte dich mal.

      Das mit der Isolierung ist immer individuell und nie so einfach. Wenn nun im Altbau kein Platz für dickere Wandaufbauten ist, muss man eben zu besser isolierenden Baustoffen greifen. Dabei hat man aber das Problem, dass der Preis des Dämmstoffes nicht die ganze Aktion wirtschaftlich sinnlos macht. Bei den von dir promoteten 1a-daemmstoffe.de ist da übrigends momentan auch nicht so die ultimative Auswahl.

      So man Platz für eine Lattung hat, finde ich nebenbei gesagt,die Linzmeyer PUR-kaschierten Gipskartonplatten ultimativ gut, vom Dämmwert als auch von der einfachen Verarbeitung. (Nur eben vom Preis nicht.)

      Grüße zurück

      Ralf

  2. Markus sagt:

    Hallo!
    Erstmal vielen Dank für diesen super Bericht!
    Ich stehe auch gerade vor der schweren Frage, mit was ich meine Kellerdecke dämmen soll.
    Bin jetzt auch bei den PUR Platten angelangt. Aber eine Frage habe ich noch.
    Haben Sie die Platten streichen können? In einem Raum soll die Decke bei mir ein bißchen schöner ausschauen(Partyraum). Kann man die Aluschickt mit normaler Wand/Deckenfarbe streichen? Wie sieht das Ergebnis aus? Haben Sie da schon Erfahrung?

    Vielen Dank!

    • Ralf sagt:

      Hallo Markus,

      danke für die Rückmeldung!!!

      Ich habe die Platten (bisher) nicht gestrichen. Aber man kann die mit normaler Wand-Dispersionsfarbe (also die normale Wandfarbe) streichen. Ich schätze aber, man muss mindestens zwei mal drübermalen.

      Ich sehe optisch ein anderes Problem. Die Platten verursachen kleine Spalten, an denen sie aneinander stoßen. Auch bekommt man es nicht hin, dass die Platten am Stoß jeweils die gleiche Höhe haben. Bis zu 5mm sind je nach Decken-Ebenheit und Kleber-Andrückgeschick locker drin.

      Man klebt da zwar Aluband drüber, aber die Unebenheiten und auch das Band selbst werden durch die Farbe nicht ganz verschwinden. Es ist eine Frage, was man tolerieren kann. Für einen Kellerraum ist das sicher voll OK, für einen Wohnraum ehr nicht.

      Was kann man machen? Entweder einen Gipskarton drüber schrauben, was aber bedeutet, die Decke oft anbohren zu müssen. Gleich gipskartonkaschierte Platten zu nehmen wäre echt die sauberste Lösung, aber die Platten sind unverschämt teuer. Ich habe das in Küche und Bad (Dachschräge) mit LINITHERM PAL GK gemacht. Liesen sich super einfach verarbeiten (weil die im Gegensatz zu einer reinen Gipskartonplatte durch das aufkaschierte PU sehr steif sind). Sind aber auch sauteuer und ich musste eine ganze Palette abnehmen (hängt aber davon ab, wo man die beziehen kann).

      Statt Wandfarbe zu streichen, könnte man einen Reibeputz aus dem Eimer probieren. Der kaschiert Unebenheiten sicher viel besser und dürfte genau wie Wandfarbe haften. Eventuell braucht man eine Grundierung oder eine zweite Schicht, wenn sich das Zeug auf dem Alu schlecht verreiben lässt. Wird man sehen.

      Viele Grüße

      Ralf

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