{"id":26,"date":"2011-01-01T18:26:36","date_gmt":"2011-01-01T17:26:36","guid":{"rendered":"http:\/\/schueler.ws\/wordpress\/?page_id=26"},"modified":"2026-01-25T01:07:10","modified_gmt":"2026-01-25T00:07:10","slug":"ikg-bei-herzschrittmachern","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/schueler.ws\/en\/artikel\/medizinische-themen\/ikg-bei-herzschrittmachern\/","title":{"rendered":"(Deutsch) IKG bei Herzschrittmachern"},"content":{"rendered":"<p>R. Sch\u00fcler \/ L. Breuel \/ M.  <a href=\"https:\/\/sophierain.blog\/\" target=\"_blank\">sophie rain fapello<\/a> Heinke<\/p>\n<h1>Spezifik der Impedanzkardiographie an Schrittmacherpatienten<\/h1>\n<p><em>29. Internationales Wissenschaftliches Kolloquium TU Ilmenau 1994,<br \/>\nBand 2 S. 315ff.<\/em><\/p>\n<p>Moderne Herzschrittmacher bieten viele ver\u00e4nderliche Parameter, mit  denen die Arbeitsweise des Schrittmachers an die Besonderheiten seines  Tr\u00e4gers angepa\u00dft werden kann. Ein auf die individuellen Bed\u00fcrfnisse  sorgf\u00e4ltig eingestellter Schrittmacher erh\u00f6ht die Lebensqualit\u00e4t seines  Tr\u00e4gers z.T. betr\u00e4chtlich und wirkt sich zudem g\u00fcnstig auf den  Krankheitsverlauf aus. F\u00fcr einige Parameter gibt es jedoch kaum  Anhaltspunkte, wie deren f\u00fcr den jeweiligen Patienten g\u00fcnstigsten Werte  zu finden sind. Zentrale Zielfunktion zur Einstellung aller Parameter  ist es, eine gute Herzperformance und eine f\u00fcr den weiteren kardialen  Krankheitsverlauf gute Langzeitprognose zu erreichen. Zur objektiven  Beurteilung der G\u00fcte der gew\u00e4hlten Schrittmacher-Einstellung m\u00fcssen  deshalb auf geeignete Weise entsprechende h\u00e4modynamische  Herz-\/Kreislaufparameter gemessen werden.<\/p>\n<p>Dabei geht es im wesentlichen um die Bestimmung der individuellen Werte folgender zwei Parameter:<\/p>\n<h3>1. AV-Verz\u00f6gerung<\/h3>\n<p>Zweikammerschrittmacher erm\u00f6glichen durch eine sequentielle  Stimulation der Vorh\u00f6fe und Kammern einen physiologisch besseren  Kontraktionsablauf als dies bei ausschlie\u00dflicher Kammerstimulation  (Einkammer-Schrittmacher) m\u00f6glich ist. Dies bedeutet eine h\u00e4modynamisch  effektivere Arbeitsweise des Herzens. Die Verz\u00f6gerung zwischen der  Abgabe des Stimulationsimpulses durch die Vorhof- und die  Kammerelektrode wird AV-Verz\u00f6gerung (auch AV-Zeit) genannt. Dieses  Zeitintervall bestimmt wesentlich die zeitliche Synchronisation zwischen  Kammer- und Vorhofkontraktion, was die Voraussetzung f\u00fcr den  h\u00e4modynamischen Vorteil dieser Stimulatuionsart ist. Ung\u00fcnstige Werte  f\u00fcr die AV-Zeit k\u00f6nnen eine Schlagvolumenabnahme von bis zu 30%  verursachen und sich unter Umst\u00e4nden ung\u00fcnstig auf den kardialen  Krankheitsverlauf auswirken.<\/p>\n<p>F\u00fcr die individuelle Festlegung der AV-Verz\u00f6gerung kann aufgrund  der individuell unterschiedlichen elektro-mechanischen Latenzen keine  allgemein g\u00fcltige Regel angegeben werden.<\/p>\n<h3>2. Obere ventrikul\u00e4re Grenzfrequenz<\/h3>\n<p>Dieser Parameter ist spezifisch f\u00fcr frequenzadaptive  Schrittmachersysteme, die ihre Stimulationsfrequenz dem  Belastungszustand des Schrittmachertr\u00e4gers anpassen k\u00f6nnen. Die obere  ventrikul\u00e4re Grenzfrequenz ist die maximale Stimulationsrate, bei der  der Schrittmacher stimulieren darf. Bei einer weiteren Erh\u00f6hung der  Stimulationsrate, so w\u00fcrde das Herzminutenvolumen nicht weiter  ansteigen, sondern wieder abfallen. Dieser Effekt kann zu betr\u00e4chtlichen<\/p>\n<p>Kreislaufbeschwerden beim Schrittmachertr\u00e4ger f\u00fchren. Da die obere  Grenzfrequenz abh\u00e4ngig von der Leistungsf\u00e4higkeit des Myokard ist, gibt  es hier ebenfalls gro\u00dfe interindividuelle Unterschiede.<\/p>\n<p>Gegenw\u00e4rtig werden diese Parameter in der Regel durch Probieren  ermittelt. Lediglich wenn keine Einstellung gefunden werden kann, die  eine Beschwerdefreiheit beim Patienten gew\u00e4hrleistet, werden aufwendige  Me\u00dfverfahren (z.B. ausf\u00fchrliche Ultraschalluntersuchungen) zur  Bestimmung von patientenspezifischen Herz-\/Kreislaufgr\u00f6\u00dfen angewendet.  Die momentan angewandten Einstellstrategien sind also sehr zeit- und  arbeitsaufwendig und garantieren in der Regel keine optimale  Einstellung. Es wird daher nach einem Me\u00dfverfahren gesucht, das auf einfache Weise  m\u00f6glichst objektive Zielgr\u00f6\u00dfen f\u00fcr die Einstellung der oben erl\u00e4uterten  Schrittmacherparameter liefert.<\/p>\n<p>An ein solches Me\u00dfverfahren werden folgende Anforderungen gestellt:<\/p>\n<ul>\n<li> Da nur die \u00c4nderung des h\u00e4modynamischen Zustandes bei Ver\u00e4nderung  eines Schrittmacher-Parameters von Interesse ist, gen\u00fcgt es, wenn das  Me\u00dfverfahren relative Parameter liefert.<\/li>\n<li>F\u00fcr die Beurteilung des h\u00e4modynamischen Zustandes sind haupts\u00e4chlich  folgende Parameter interessant, die das Me\u00dfverfahren direkt oder  indirekt liefern mu\u00df: Schlagvolumen, Herzzeitvolumen und systolische  Zeitintervalle.<\/li>\n<li> Da in der klinischen Routine aufgrund der hohen Patientenzahl oft  nur begrenzt Zeit zur Verf\u00fcgung steht, sollte das Me\u00dfverfahren einfach  und schnell anwendbar sein. Au\u00dferdem sollen solche Untersuchungen  beliebig oft wiederholt werden k\u00f6nnen, wodurch invasive Verfahren  ausscheiden.<\/li>\n<li>Die Methode soll ebenfalls bei leichten Belastungsuntersuchungen anwendbar sein.<\/li>\n<li>Da z.T. \u00c4nderungen im Schlagvolumen unter 20% erwartet werden, sind  nur Verfahren geeignet, die eine hinreichende Genauigkeit besitzen.  Relative \u00c4nderungen des Schlagvolumens von 5-10% sollten daher sicher  nachgewiesen werden k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Die Methode mu\u00df f\u00fcr die spezifische Patientengruppe der Schrittmachertr\u00e4ger geeignet sein.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Impedanzkardiographie ist ein nichtinvasives Me\u00dfverfahren, da\u00df  bei entsprechender automatischer Auswertung einfach in der Anwendung ist  und den Anforderungen an die gesuchte Me\u00dfmethode sehr nahe kommt.  Deshalb hat diese Arbeit das Ziel, die Eignung der Impedanzkardiographie  f\u00fcr Messungen an Patienten mit Herzschrittmachern zu untersuchen und  eventuelle Einschr\u00e4nkungen aufzuzeigen.<\/p>\n<p>Die Impedanzkardiographie beruht auf der Messung und Auswertung der  pulssynchronen \u00c4nderungen der elektrischen Impedanz des Thorax. Zur  Auswertung wird meist die differenzierte Impedanzkurve &#8211; auch  Impedanzkardiogramm (IKG) genannt &#8211; benutzt. Abb. 1 zeigt eine  Musterperiode des IKG und die darin erkennbaren physiologischen  Ereignisse. Den gr\u00f6\u00dften Anteil zur Entstehung der IKG-Kurve liefert der  Auswurf des Blutes aus dem linken Ventrikel in die Aorta; andere  Signalquellen &#8211; wie die Vorhofkontraktionen  &#8211; haben einen geringeren  Anteil, beeinflussen das Signal aber dennoch. Neben den pulssynchronen  Impedanz\u00e4nderungen sind au\u00dferdem noch die atmungssynchronen  Impedanzschwankungen mit relativ gro\u00dfer Amplitude vorhanden.<\/p>\n<p>Zur Berechnung des Schlagvolumens m\u00fcssen aus dem IKG die  linksventrikul\u00e4re Austreibungszeit (LVET) und die maximale Amplitude  (dZ\/dt|<sub>max<\/sub>) bestimmt werden.<\/p>\n<p>Schrittmacherpatienten sind hinsichtlich der Anwendung der Impedanzkardiographie durch folgende Merkmale gekennzeichnet:<\/p>\n<ul>\n<li>Diese Patienten haben Reizleitungsst\u00f6rungen, die mit dem  Schrittmacher behandelt werden. Das bedeutet, der Kontraktionsablauf des  Herzens kann gegen\u00fcber Herz-\/Kreislauf-Gesunden ver\u00e4ndert sein.<\/li>\n<li>Reizleitungsst\u00f6rungen treten als Erkrankung selten isoliert auf,  sondern sind in den meisten F\u00e4llen eine Folgeerscheinung einer prim\u00e4ren  Herzerkrankung, die sch\u00e4digende Auswirkungen auf das Reizbildungs- und  Reizleitungsgewebe hat. Als solche prim\u00e4ren Erkrankungen findet man  h\u00e4ufig z.B.  Fibrose, dilatative Kardiomyopathie, Vitien, isch\u00e4mische  Erkrankung (Koronarerkrankungen), Infarkt.<\/li>\n<li>Erworbene Reizleitungsst\u00f6rungen treten geh\u00e4uft im fortgeschrittenen  Alter (etwa ab 50 Jahre) auf. Die Patientengruppe setzt sich also in  ihrer Altersstruktur relativ homogen zusammen.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Messungen<\/h2>\n<p>Um die Eignung der Impedanzkardiographie zur Einstellung von  Schrittmachern zu \u00fcberpr\u00fcfen, wurden zun\u00e4chst die Impedanzsignale bei  einigen willk\u00fcrlich ausgew\u00e4hlten Patienten vor und nach der  Umprogrammierung einzelner Parameter der Schrittmacher aufgezeichnet und  anschlie\u00dfend analysiert. Hierf\u00fcr wurde der Impedanzkardiograph  cardioscreen\u00ae der Firma medis. Medizinische Me\u00dftechnik GmbH Ilmenau  verwendet. Die Aufzeichnung bzw. Auswertung der gemessenen Signale  erfolgt mit der cardioscreen-Software auf einem PC. Es ist dabei  m\u00f6glich, die entsprechenden Herz-\/Kreislaufparameter on-line w\u00e4hrend des  Monitorings zu berechnen  oder die Impedanzsignale aufzuzeichnen. Mit  den bei den ersten Messungen gewonnenen Erkenntnissen wurde das  cardioscreen-Programm in Bezug auf den Einsatz an Schrittmacherpatienten  \u00fcberarbeitet und ein weiteres l\u00e4ngerfristiges Versuchsprogramm zur  Einsatz des Me\u00dfsystemes in der klinischen Praxis der  Schrittmachereinstellung gestartet.<\/p>\n<h2>Ergebnisse und Diskussion<\/h2>\n<p>Messungen an Patienten mit Herzschrittmachern haben zu den im folgendenden diskutierten Ergebnissen gef\u00fchrt.<\/p>\n<h3>1. Eignung des Me\u00dfverfahrens und Genauigkeit<\/h3>\n<p>Im allgemeinen kann eingesch\u00e4tzt werden, da\u00df der Einflu\u00df der  Ver\u00e4nderung einzelner Schrittmacherparameter auf das Herzschlagvolumen  (und somit auf das Herzzeitvolumen) reproduzierbar und mit einer  hinreichenden Genauigkeit erfa\u00dft werden kann. Abb. 2 zeigt einen  entsprechenden Verlauf bei Variation der AV-Zeit.<\/p>\n<p>Die gefundene Einstellung sollte anschlie\u00dfend bei einem kleinen  Belastungstest \u00fcberpr\u00fcft werden. Die praktischen Erfahrungen zeigen, da\u00df  bei Anwendung der Impedanzkardiographie wesentlich schneller eine gute  SM-Einstellung gefunden werden kann.<\/p>\n<p>Damit die Vorteile deutlich zum tragen kommen, erwies es sich dabei  f\u00fcr die klinische Routine als wichtig, die Messungen  mit einem Ger\u00e4t  durchzuf\u00fchren, das automatisch sofort die entsprechenden Werte ausgibt  und keine aufwendigen Bedienschritte (wie Kalibrierung u.s.w.)  erfordert.<\/p>\n<h3>2. Technische Anforderungen<\/h3>\n<p>Es zeigte sich, da\u00df der energiereiche Stimulationsimpuls zu St\u00f6rungen  in der Impedanzkurve f\u00fchrt. Da diese St\u00f6rungen sowohl die Beurteilung  der Kurvenform als auch die Me\u00dfgenauigkeit beeintr\u00e4chtigen k\u00f6nnen, ist  eine Ausblendung der Schrittmacherst\u00f6rungen erforderlich. Diese  Ausblendung sollte aber weder den Bedienaufwand erh\u00f6hen noch zu einem  wesentlichen Informationsverlust im IKG f\u00fchren. F\u00fcr das Ger\u00e4t  cardioscreen\u00ae wurde deshalb eine automatische St\u00f6rungsunterdr\u00fcckung  entwickelt. Durch die Kombination intellegenter Software-Algorithmen mit  entsprechend hochwertiger Signalerfassungs-Hardware konnte dabei eine  so hohe Qualit\u00e4t erreicht werden, da\u00df im IKG kein Informationsverlust  wahrnehmbar ist.<\/p>\n<h3>3. Einflu\u00df der Stimulation auf die Kurvenform und die Auswerteverfahren<\/h3>\n<p>Die k\u00fcnstliche Stimulation hat einen Einflu\u00df auf die Form der  abgeleiteten Impedanzsignale. Speziell macht sich die die ver\u00e4nderte  Synchronit\u00e4t zwischen Vorhof und Kammer bemerkbar. Die zeitliche  Synchronit\u00e4t zwischen Vorhof- und Kammerkontraktion kann in den meisten  F\u00e4llen im IKG visuell gut beobachtet werden. Bei Verk\u00fcrzung der  AV-Verz\u00f6gerung schiebt sich die Vorhofaktion immer n\u00e4her an die  Kammerkontraktion heran. Dabei kann es je nach Auspr\u00e4gung der A-Welle  (Vorhofkontraktion) zu einer \u00dcberlagerung beider Ereignisse zum  Zeitpunkt der Aortenklappen\u00f6ffnung kommen. Der B-Punkt  (Aortenklappen\u00f6ffnung im IKG) wird dabei nach oben verschoben und kann  so nicht mehr als Referenz zur Bestimmung des Maximums (f\u00fcr die  SV-Bestimmung, siehe Abb. 1) benutzt werden. Das Maximum mu\u00df deshalb von  der Nulllinie aus bestimmt werden. Um dies zu Erm\u00f6glichen, ist eine  Beseitigung der durch die \u00dcberlagerung der atmungssynchronen  Impedanzschwankungen notwendig. Dies sollte aber geschehen, ohne die  visuelle Beurteilung der IKG-Kurvenform zu beeintr\u00e4chtigen.<\/p>\n<p>Der B-Punkt mu\u00df dennoch zur genauen Messung der Austreibungszeit  (LVET) bestimmt werden. Dies wird durch die sich bei Ver\u00e4nderung der  AV-Verz\u00f6gerung \u00e4ndernden \u00dcberlagerungs-Verh\u00e4ltnisse in diesem Bereich  der IKG-Kurve gegen\u00fcber Probanden ohne SM erschwert.<\/p>\n<h3>4. Einschr\u00e4nkungen der Anwendbarkeit<\/h3>\n<p>Aus zahlreichen Studien \u00fcber die Impedanzkardiographie ist bekannt,  da\u00df die Methode bei einigen Patienten falsche bzw. ungenaue Werte f\u00fcr  das Schlagvolumen liefert. In Bezug auf die Patientengruppe der  Schrittmachertr\u00e4ger sind dies in erster Linie:<\/p>\n<ul>\n<li>Patienten mit Vitien oder Shunts (\u00dcber- und Untersch\u00e4tzung des SV, je nach den konkreten pathologischen Verh\u00e4ltnissen)<\/li>\n<li>Patienten mit schlechter Herzperformance (Untersch\u00e4tzung)<\/li>\n<li>Patienten mit Arteriosclerose im fortgeschrittenen Stadium sowie h\u00e4ufiger bei \u00e4lteren Patienten (Untersch\u00e4tzung)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Untersuchungen in der Literatur in Bezug auf die ungenaue oder  falsche Bestimmung des Schlagvolumens bei diesen Krankheitsgruppen  konnten im wesentlichen auch hier best\u00e4tigt werden. Da bei der  SM-Einstellung aber nur relative Parameter ben\u00f6tigt werden, sollen  nachfolgende Betrachtungen zeigen, ob auch bei falschen Absolutwerten  noch ein Trend richtig bestimmbar ist und inwiefern die Methode hier  noch verbessert werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<h3>Vitien\/Shunts<\/h3>\n<p>Die Auswirkungen von Vitien auf die Impedanzkurve und das berechnete  Schlagvolumen kommen im wesentlichen wie folgt zum Ausdruck:<\/p>\n<ul>\n<li>Der durch das Vitium (z.B. Aortenklappeninsuffizienz) oder dem Shunt  nicht in die Peripherie weitergepumpte Anteil am Blutauswurf des linken  Ventrikels wird bei der Bestimmung des Schlagvolumens nicht mit  ber\u00fccksichtigt. Es wird zwar der Auswurf des Ventrikels in der Regel  richtig bestimmt, aber nicht das letztlich h\u00e4modynamisch  ausschlaggebende effektive Schlagvolumen, das in der Peripherie ankommt.<\/li>\n<li>Verschiedene Vitien (z.B. Mitralklappenvitien) verursachen gegen\u00fcber  Herz-\/Kreislaufgesunden verst\u00e4rkte herzsynchrone systolische  Blutvolumenschwankungen in anderen Bereichen als der Aorta. Das das  gemessene Impedanzsignal ein Summensignal aller herzaktionssynchronen  Blutumverteilungsvorg\u00e4nge ist, beeinflussen diese pathologischen  Vorg\u00e4nge das abgeleitete Impedanzsignal und k\u00f6nnen sich so auch auf die  Schlagvolumenberechnung auswirken.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die h\u00e4modynamischen Auswirkungen von Vitien und Shunts k\u00f6nnen sich  sowohl mit dem Schlagvolumen als auch mit anderen Herzparametern (z.B.  der Herzrate) \u00e4ndern. Deshalb kann nicht davon ausgegangen werden, da\u00df  diese pathologischen Ver\u00e4nderungen keinen Einflu\u00df auf eine relative  Schlagvolumenbestimmung mittels Impedanzkardiographie haben. Der dadurch  verursachte Fehler (bei den Relativwerten) wird aber erst bei  ausgepr\u00e4gten Vitien relevant, soda\u00df in vielen F\u00e4llen dennoch eine  Bestimmung des relativen Schlagvolumens mittels Impedanzkardiographie  m\u00f6glich ist.<\/p>\n<h3>Herzinsuffizienz und arteriosclerotische Ver\u00e4nderungen<\/h3>\n<p>Bei manchen Patienten kann eine pathologische IKG-Kurve beobachtet  werden, die durch eine lediglich flache systolische Welle gekennzeichnet  ist. Dies tritt besonders bei den Krankheitsbildern Arteriosclerose,  Herzinsuffizienz und auch verst\u00e4rkt bei h\u00f6herem Lebensalter auf. Die  Ursachen hierf\u00fcr sind sowohl eine pathologische Flu\u00dfkurve am Beginn der  Aorta (bei Herzinsuffizienz) als auch eine bedingt durch eine  Versteifung der Gef\u00e4\u00dfwand h\u00f6here Pulswellengeschwindigkeit, wodurch das  letztlich von der Impedanzkardiographie ausgenutzte Speicherverhalten  der Aorta verringert wird. Dies f\u00fchrt zwangsl\u00e4ufig zu einer  Untersch\u00e4tzung des Schlagvolumens. Da sich hierbei nun auch \u00c4nderungen  der Compliance (z.B. infolge Blutdruck\u00e4nderungen) direkt als Me\u00dffehler  im ermittelten Schlagvolumen auswirken, ist bei dieser Patientengruppe  auch eine relative Bestimmung des Schlagvolumens nur beschr\u00e4nkt m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Diese Betrachtungen veranschaulichen, da\u00df die herk\u00f6mmliche  Schlagvolumenbestimmung mit Impedanzkardiographie methodisch bei einer  nicht unbedeutenden Patientengruppe versagt. Diese Patientengruppe l\u00e4\u00dft  sich jedoch anhand der Form der IKG-Kurve erkennen, so da\u00df die Methode  eine gute Kontrolle bez\u00fcglich ihrer Anwendbarkeit bietet.<\/p>\n<p>Erste Versuche zeigen f\u00fcr diese Patientengruppe, bei der eine herk\u00f6mmliche Schlagvolumenbestimmung versagt, folgende Auswege:<\/p>\n<h4>1. Andere Elektrodenposition<\/h4>\n<p>Mit der bisher praktizierten Elektrodenposition werden haupts\u00e4chlich  die Blutvolumenschwankungen in der Aorta erfa\u00dft. Es w\u00e4re ein  wesentlicher methodischer Gewinn, stattdessen die Blutf\u00fcllung im linken  Ventrikel messen zu k\u00f6nnen. Dazu haben wir ebenfalls bereits erste  Untersuchungen durchgef\u00fchrt. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, da\u00df dies  m\u00f6glich ist. Einer gezielten praktischen Anwendung stehen aber noch  eine Reihe technischer und methodischer Probleme entgegen.<\/p>\n<h4>2. Andere Zielgr\u00f6\u00dfen<\/h4>\n<p>Um die Auswirkung verschiedener Schrittmacherparameter auf die  H\u00e4modynamik zu beobachten, ist das Schlagvolumen zwar der direkteste,  aber nicht der einzige Parameter. Unabh\u00e4ngig von den obengenannten  Einschr\u00e4nkungen k\u00f6nnen die verschiedenen Zeitparameter mit unver\u00e4nderter  Genauigkeit bestimmt werden.<\/p>\n<ul>\n<li>Das Verh\u00e4ltnis von LVET\/PEP (siehe auch Abb. 1) ist proportional zum  Schlagvolumen \/5\/. Wenn die direkte Schlagvolumenbestimmung nicht  m\u00f6glich ist, kann so auch der Trend des Schlagvolumens trotzdem noch  verfolgt werden. Voraussetzung ist hierf\u00fcr jedoch eine hinreichend  genaue Bestimmung dieser systolischen Zeitintervalle, die bei der gro\u00dfen  Variabilit\u00e4t der Kurvenform einen hohen algorithmischen Aufwand  erfordert.<\/li>\n<li>Bei den meisten Patienten l\u00e4\u00dft sich die Vorhofkontraktion als  A-Welle im IKG detektieren. Um bei Schrittmacherpatienten die  AV-Synchronit\u00e4t wiederherzustellen, kann die AV-Zeit so eingestellt  werden, das sich ein zeitlicher Abstand von A-Welle und B-Punkt (siehe  Abb. 1) ergibt, der dem gesunder Vergleichsprobanden entspricht. Derzeit  laufen hierzu noch Untersuchungen, um diese Methode zu verifizieren und  entsprechende Vergleichswerte zu ermitteln.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bei Ber\u00fccksichtigung dieser Einschr\u00e4nkungen und Besonderheiten steht  durch die Impedanzkardiographie eine leicht zu handhabende Methode zur  Verf\u00fcgung, die es gestattet, w\u00e4hrend der Einstellung von  Schrittmacherparametern die entsprechenden h\u00e4modynamischen Zielgr\u00f6\u00dfen zu  verfolgen.<\/p>\n<p>Ein Impedanzkardiograph, der f\u00fcr diese Untersuchungsmethode benutzt wird, sollte speziell folgenden Anforderungen gen\u00fcgen:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Me\u00dftechnik mu\u00df in der Lage sein, den Schrittmacherimpuls mit  m\u00f6glichst wenig Informationsverlust im Impedanzsignal auszublenden.<\/li>\n<li>An die Erkennung spezieller Kurvenpunkte (besonders des B-Punktes) werden erh\u00f6hte Anforderungen gestellt.<\/li>\n<li>F\u00fcr die Auswertung ist eine Eliminierung der \u00fcberlagerten Atmungskomponente im Impedanzsignal notwendig.<\/li>\n<li>Da die Kurvenform des IKG wichtige diagnostische Informationen  beinhaltet und zur Verifizierung der Anwendbarkeit der Methode am  jeweiligen Patienten benutzt werden kann, sollte ein entsprechendes  Ger\u00e4t in der Lage sein, die IKG-Kurve anzuzeigen und bei Bedarf zur  Dokumentation auszudrucken.<\/li>\n<li>Das Me\u00dfsystem sollte mit m\u00f6glichst geringem Bedienaufwand  einsatzbereit sein und eine Bedienung w\u00e4hrend der  Schrittmachereinstellung auf ein Mindestma\u00df beschr\u00e4nkt bleiben.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese Erfahrungen und Erkenntnisse flossen in die Entwicklung des  Me\u00dfsystemes cardioscreen\u00ae-pace ein, da\u00df jetzt kommerziell f\u00fcr den  Einsatz bei der Schrittmachereinstellung zur Verf\u00fcgung steht.<\/p>\n<h2>Literatur<\/h2>\n<p>\/1\/        Breuel L., Sch\u00fcler R., Volkmann H., Heinke M., Posdzech O., Solbrig O.:<br \/>\nProblems with the Application of Impedance Cardiography on Pacemaker Patients<br \/>\nProceedings of the 8th International Conference on Electrical Bio-Impedance, Kuopio, Finland 1992<\/p>\n<p>\/2\/        Ovsyshcher I., Furman S.:<br \/>\nImpedance Cardiography for Cardiac Output Estimation in Pacemaker Patients: Review of the Literature<br \/>\nPace Vol.16 , July 1993 Part I, S. 1412-1422<\/p>\n<p>\/3\/        Defaye P. u.a.:<br \/>\nOptimization of Dual Chamber Pacers Programming by Thoracic Electrical Bio-Impedance<br \/>\nEuro-Pace \u00b493 Abstracts<br \/>\nin: PACE Vol. 16; May 1993 Part II, S.1153<\/p>\n<p>\/4\/        Bernstein D. P.:<br \/>\nA new stroke volume equation for thoracic electrical bioimpedance: Theory and rationale<br \/>\nCritical Care Medizine Vol. 14, No. 10, S. 904-909<\/p>\n<p>\/5\/        Rentsch W., Niederlag W., Wunderlich E., Schmidt P.K.H., Foelske H.:<br \/>\nZur physiologischen Frequenzanpassung von Herzschrittmachern mittels systolischer Zeitintervalle<br \/>\nZ. gesamte inn. Med. Jahrg. 42 (1987) Heft 14, S. 386-389<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>R. Sch\u00fcler \/ L. Breuel \/ M. sophie rain fapello Heinke Spezifik der Impedanzkardiographie an Schrittmacherpatienten 29. Internationales Wissenschaftliches Kolloquium TU Ilmenau 1994, Band 2 S. 315ff. 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